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Gestern war es endlich so weit und ich konnte mir das letztes Jahr erschienene, heiß erwartete Remake des Stephen King Romans "It" anschauen. Die Kritikerstimmen sowie die Meinung des Publikums versprachen schon mal sehr viel, jedoch wollte ich mir auch selbst ein Bild vom Film machen. Ich habe das Original aus dem Jahr 1990 vor 3-4 Monaten zum ersten Mal gesehen und war nicht gerade begeistert von dem Film. Entsprechend der allgemeinen Meinung fand ich den ersten Teil des Originals durchaus gelungen, jedoch war die zweite Hälfte extrem träge und langweilig. Da sich das Remake nun komplett auf die Kinder und damit die erste Hälfte des Romans konzentriert und auch die Bewertungen im Vorfeld überaus vielversprechend waren, hatte ich auch durchaus hohe Erwartungen an den Film, welche auch fast komplett erfüllt wurden. Jedoch erstmal von Anfang an.
Regie bei diesem Horrorfilm führte der noch relativ unbekannte Andy Muschietti, welcher vor "It" lediglich den Horrorkurzfilm "Mamá" sowie dessen Langfilmadaption aus dem Jahr 2013 inszenierte. Inzwischen wurde Muschietti auch schon für die Fortsetzung des Stephen King Romans bestätigt, welche 2019 in die Kinos kommen soll und sich auf die zweite Hälfte des Buches bezieht und damit die erwachsenen Versionen der Kinder zeigen wird. Denn im Gegensatz zum ersten Film aus den 90ern, entschied man sich hier das über 1000 Seiten dicke Buch auf zwei Filme aufzuteilen. Und diese Entscheidung war absolut richtig. Denn der Fernsehfilm von Tommy Lee Wallace war, wie oben schon kurz geschrieben, extrem zäh und einfach viel zu lang (dieser dauert 192 Minuten!) und vor allem die zweite Hälfte, welche die erwachsen gewordenen Figuren zeigt, die in die Stadt Derry zurückkehren. war total langweilig.
Somit machte man es in diesem Film absolut richtig und entschied sich nur die Erlebnisse der Kinder zu zeigen, welche das mysteriöse Verschwinden unzähliger Kinder in der Kleinstadt Derry auflösen möchten. Dabei stehen auch die ganze Zeit über die Kinder und deren Rollen im Mittelpunkt und man kann sich mit ihnen identifizieren. Nicht umsonst nennen sie sich "der Club der Verlierer" und alle haben andere Probleme im Leben. Ob nun der kleine, dicke Junge, der neu an der Schule ist, der stotternde Junge, dessen Bruder verschwunden ist, der Schwarze, der sich selbst die Schuld am Tod der Eltern gibt oder das junge Mädchen, die von Gerüchten verfolgt wird und von allen als "Schlampe" abgestempelt wird. Alle müssen sich vor Rowdys wären und versuchen irgendwie ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Als einer der Gruppe, dann ein erschreckendes Geheimnis zu lüften scheint und alle nacheinander in verstörende und erschreckende Ereignisse rutschen, beschließen sie gemeinsam das Geheimnis, welches die Stadt seit Jahrzehten zu verbergen versucht, zu lüften.
Wie jetzt schon mehrmals erwähnt, liegt der Fokus komplett auf den Kindern und somit stechen auch diese als einzige aus dem Cast hervor. Sämtliche erwachsenen Darsteller gehen komplett unter, was aber durchaus gewollt erscheint, da dadurch die Leistung der Kinderdarsteller viel mehr in den Vordergrund geräht. Und diese muss sich in keinster Weise verstecken und bietet meiner Meinung nach die beste Performance von jungen Darstellern, die ich seit langem gesehen habe. Jedem der Kinder nimmt man seine Rolle komplett ab und kann sich in sie hinein versetzten und fiebert mit.
Das absolute Highlight im Film war aber wiedereinmal "Es" selbst, welches sich meistens in Form des Clowns Pennywise zeigt. Für viele, unter anderem auch mich, war das Beste im Original Tim Curry als Horrorclown, jedoch steht ihm Bill Skarsgard in nichts nach. Auch seine Performance als angsteinflößender Clown, welcher sich in die schlimmsten Ängste der Kinder verwandeln kann, jagt einem eine Gänsehaut über den ganzen Körper. Ich würde zwar nicht sagen, dass seine Leistung besser war als die von Tim Curry, jedoch war sie dessen aber sicherlich ebenwürdig.
Ich habe anfangs ja geschrieben, dass der Film nur fast meine Erwartungen erfüllen konnte und ich fand ihn auch super, jedoch hab ich ein Problem mit dem Film: ich fand ihn persönlich einfach nicht so gruselig, wie ich es mir vorgestellt habe. Zwar ist der Film atmosphärisch super. Das oftmals trübe Wetter, die stimmungsvolle Musik und die dauernde Bedrohung durch das Ungewisse verursachen eine gewisse Anspannung, jedoch wird diese oftmals durch witzige Momente zu sehr aufgelockert, wodurch eben diese Spannung nur schwer den ganzen Film über gehalten werden kann. Pennywise steht jedoch über allem und jede Szene in der er auftaucht ist für einen tollen Horrormoment gut. Alles in allem aber, fand ich den Film wie gesagt nicht gruselig genug
Visuell war ich vom Film jedoch einfach nur begeistert. Die bildliche Stimmung und die Effekte waren großartig und neben Bill Skarsgard so ziemlich das Beste am Film. Allein schon die Darstellung von Pennywise und dessen verschiedenen Formen war super und im Großen und Ganzen das angsteinflößensdte im gesamten Film. Die Musik und der Sound verstärkten wie schon geschrieben, die Atmosphäre und die Stimmung und lieferte einen grandiosen Soundtrack.
Zum Abschluss noch ein kurzer Vergleich zwischen dem Original und dem Remake:
Im Prinzip ist die Handlung in beiden Filmen komplett gleich, was natürlich absolut logisch ist, da beide auf dem gleichen Roman basieren. Jedoch bezieht sich das Remake, wie jetzt schon öfters gesagt, nur auf die erste Hälfte des Buches. Außerdem verlegt dieses die Handlung aus den 1960ern in die 80er und spielt auch mit popkulturellen Aspekten aus diesem Jahrzehnt. Nur auf die erste Hälfte des Originals Bezug nehmend, kann ich keinen besseren Film bestimmen, jedoch gibt es aber eben auch die eher misslungene zweite Hälfte des Originals, wodurch ich sagen muss, dass das Remake die bessere und rundere Handlung bietet.
1: 0 für das Remake.
Bei beiden Filmen werden die Kinder von eher unbekannten Jungdarstellern gespielt und auch wenn in beiden Filmen die Darsteller durchaus gut sind, fand ich sie im Remake doch um einiges authentischer und besser. Die Rollen waren besser verteilt und ihre Probleme in der Gesellschaft wurden etwas besser dargestellt. Damit geht auch dieser Punkt an das Remake.
2 : 0 für das Remake
Hier wird es schon etwas schwieriger. Tim Curry als Pennywise war im Original einfach fantastisch und das Beste im ganzem Film. Jedoch steht Bill Skarsgard dem in nichts nach und bietet eine ebenso beeindruckende sowie Angst einflößende Performance wie sein Vorgänger. Daher kann ich hier keinen Sieger benennen und gebe beiden Filmen einen Punkt.
3 : 1 für das Remake
Viele werden sich jetzt denken, in dieser Kategorie kann man die beiden Filme nicht wirklich vergleichen, da inzwischen 27 Jahre zwischen den Beiden liegt und die Technik einen extremen Sprung seit damals gemacht hat. Wenn man sich die Effekte im Original aber mal genauer ansieht, merkt man, dass diese selbst für die damalige Zeit nicht gerade gut aussahen. Auch sind diese nicht gerade gut gealtert und haben nicht diesen besonderen Nostalgie oder Trash-Faktor, den andere Filme aus dieser Zeit oder von noch früher haben. Über die Effekte im Remake habe ich oben schon geschrieben, daher gibt es hier einen klaren Punkt für das Remake.
4 : 1 für das Remake
Zum Schluss einer der wichtigsten Punkte bei einem Horrorfilm. Beide Filme setzen weniger auf Jump Scares als viel mehr auf die Stimmung und die visuelle Darstellung des Bösen. Bei der Stimmung schenken sich Beide nicht viel. Zwar hat das Remake mehr lustige Momente als das Original, bietet dafür aber eine bedrohlichere musikalische Untermalung. Und auch bei der optischen Darstellung von Pennywise hat das Remake die Nase vorn, da im Original die Darstellung oftmals etwas ins lächerliche abgleitet. Daher geht auch dieser Punkt an das Remake.
Endergebnis: 5 : 1 für das Remake.
Damit ist, wie erwartet, die Neuverfilmung der klare Sieger und auch der für mich viel bessere Film.
Fazit:
Mit "Es" gelang Andy Muschietti eine mehr als gelungene Adaption des Stephen King Romans, die dem Original in nichts nach steht, sondern dieses in fast allen Belangen sogar übertrifft! Besonders die Darstellung von Pennywise, aber auch die Leistung der Kinder und natürlich die visuellen Effekte machen den Film zu einem sehr guten Horrorfilm, der zwar an manchen Stellen etwas gruseliger hätte sein können, dennoch nicht nur Genre-Fans gefallen wird.
Es
US - 2017
Regie - Andy Muschietti
Laufzeit - 135 Minuten
FSK - 16
Genre - Horror
Bewertungen:
"Willst du einen Ballon, Georgie?"
Pennywise/ Bill Skarsgard - Es (2017)
