Jungle

Entdeckung des Jahres ?!

Vor ein paar Wochen erschien ein kleiner Film, der bei vielen komplett unterging und bei uns nicht einmal einen Kinostart bekam. Die Rede ist vom australischen Survival-Horror-Thriller Jungle. Der Film beginnt mit grandiosen Landschaftsaufnahmen und mausert sich schnell zu einem düsteren Abenteuer-Trip durch die sprichtwörtliche "Grüne Hölle". Ich wusste anfangs so gut wie garnichts über den Film, außer dass Daniel Radcliffe die Hauptrolle spielt. Das genügte für mich schon um ihm mal eine Chance zu geben. Und Gott sei Dank habe ich das getan. Denn der Film unterhält von der ersten bis zur letzten Minute, bietet eine extrem dichte und beklemmende Atmosphäre, liefert dabei aber gleichzeitig wunderschöne Bilder des bolivianischen Dschungels.

Zum Film im Allgemeinen: Premiere feierte Jungle beim Fantasy Film Fest 2017 in Köln. Regie bei dieser australischen Produktion führte der noch relativ unbekannte Greg McLean, der zuvor eher für kleine Horrorproduktionen wie Wolf Creek 1 und 2 bekannt war. Mit Jungle könnte ihm jetzt aber der verdiente Durchbruch gelingen. Über eine Laufzeit von 111 Minuten, schafft es der Film durchweg zu packen und auch die Tatsache, dass er auf wahren Begebenheiten beruht, trägt auch das seine zur Atmosphäre bei. Literarische Vorlage für den Film bot das Buch "Lost in the Jungle" von Yossi Ghinsberg, der darin seine Überlebensgeschichte im Dschungel erzählt.

Eben jener Yossi Ghinsberg wird gespielt von Daniel Radcliffe, der nach dieser Darbietung auch dem letzten Kritiker bewiesen haben sollte, dass er viel mehr kann, als "nur" Harry Potter. Für mich war schon nach "Die Frau in Schwarz" und spätestens nach "Imperium" klar, dass Daniel Radcliffe zu den großen Stars der Zukunft zählt. Auch hier zeigt Radcliffe wieder sein Können, da es ab zirka der Hälfte des Films zu einer kompletten One Man Show von Daniel Radcliffe wird. Sein Leidensweg durch den Dschungel, gepaart mit dem langsamen Abdriften in den Wahnsinn, werden dabei untermalt von düsteren und beklemmenden Bildern, die stellenweise nichts für Leute mit schwachem Magen sind. Hier wird nichts beschönigt, es wird der pure Überlebenskampf des israelischen Abenteurers in vollem Ausmaß gezeigt.

Vor allem in der ersten Hälfte des Films prägt ein weiterer Schauspieler den Film: Thomas Kretschmann, dessen Darbietung des abgebrühten aber zwielichtigem Scout, der von Radcliffe in nichts nachsteht. Kretschmann schafft es seine Rolle so zu spielen, dass man sie bewundert, aber zeitgleich auch ein latentes Misstrauen zu ihr entwickelt.

Zwei weitere erwähnenswerte Nebendarsteller sind Alex Russel und Joel Jackson. Die beiden machen ihren Job ganz gut, können aber mit der Leistung ihrer beiden Kollegen nicht ganz mithalten.

Ich habe jetzt schon ein paar mal die geilen Bilder und die Atmosphäre angesprochen. Die Kameraarbeit ist spitze. Die Aufnahmen des Dschungels wirken wunderschön und zugleich bedrohlich. Außerdem zeigen Einstellungen, wie die Floßfahrt über den reißenden Fluss mit wie viel Liebe und Know-how der Film inszeniert wurde. Es wurde sicherlich auch mit CGI gearbeitet, es gab aber keine einzige Szene in der es mir aufgefallen wäre. Auch die musikalische Untermalung und der Ton passen wie die Faust aufs Auge. Es gibt zwar keine epischen, bombastischen Soundtracks wie bei Interstellar oder Der Herr der Ringe, aber eine passende, dezente Begleitung, die die gezeigten Bilder verstärkt und ihnen eine extra Portion Intensität verleit.

Fazit:

Alles in allem ist Jungle ein super Survival-Thriller und Geheimtipp, der besonders Fans von Filmen wie The Revanent gefallen wird, auch wenn er nichts von der Epik, dieses Filmes hat. Es ist halt eine kleine Produktion, die aber auch nicht mehr sein will und genau dadurch super unterhält. Allein schon die schauspielerische Leistung von Daniel Radcliffe ist ein Grund sich den Film anzuschauen!

Am Ende des Films sieht man noch echte Aufnahmen der realen Vorbilder, die die ganze Stimmung des Films nochmal unterstreichen.


Jungle

AU - 2017

Regie - Greg McLean

Laufzeit - 111 Minuten

FSK - ab 16

Genre - Abenteuerfilm/ Drama

Bewertungen:

  • IMDb - 6,7/10
  • Moviepilot - 6,6/10
  • Apexfilms - 7,5/10

"Ich sagte meinen Eltern, dass ich in einem Jahr zurück bin. Jetzt glaube ich, dass ich nie wieder zurück komme!"

Yossi Ghinsberg/ Daniel Radcliffe - Jungle (2017)