Logan - The Wolverine

Der erwachsenste Superheldenfilm bisher!?

Es ist zwar schon fast ein Jahr her, dass "Logan - The Wolverine" bei uns in den Kinos startete. Doch nachdem ich ihn die letzten Tage erneut gesehen habe, musste ich ihm einfach eine Review widmen. Denn auch nach dem 2. Mal anschauen berührt mich der Film immer noch. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass er mir jetzt noch besser gefällt, als direkt nach dem Kinobesuch.

Anfangs, als es hieß "Logan" würde der brutalste und düsterste Film über den Mutanten Wolverine, gespielt vom grandiosen Hugh Jackman, war ich etwas skeptisch, wie weit sich 20th Century Fox trauen wird zu gehen. Doch durch den Erfolg von "Deadpool" entschied man sich, den Film mit einem R-Rating zu produzieren, was einen härteren Film und eine explizitere Gewaltdarstellung erlaubt. 

Regie führte, wie auch schon beim 2013 erschienenen Vorgänger "Wolverine: Weg des Kriegers", James Mangold, der bekannt wurde mit Filmen wie "Todeszug nach Yuma", "Identität" und dem Johnny Cash Biopic "Walk the Line", welche ich alle als sehr gut empfinde.

Dabei schafft es Mangold, einen X-Men Film zu kreieren, der anders ist als alle bisher dagewesenen, aber dennoch die Verbindung zum Franchise in einer gewissen Ebene aufrecht zu erhalten.

Wie schon gesagt, ist Logan ein extrem düsterer, aber auch konsequenter Superheldenfilm, der chronologisch nach allen anderen X-Men Werken spielt. Sämtliche Mutanten sind bereits tot oder verschwunden. Einzig und allein Logan a.k.a. Wolverine und Professor Charles Xavier leben noch ein abgeschiedenes Leben an der amerikanisch-mexikanischen Grenze.

Wolverine wird wie üblich gespielt vom Australier Hugh Jackman, der in seinem dritten Solo-Film erneut in seine Paraderolle schlüpft. Doch anders als in den Vorgängern, spielt er hier nicht mehr den schier unbesiegbaren Superhelden. Er mimt vielmehr einen gealterten, beinahe schon verzweifelten Logan, der eigentlich nur noch eins will: sein Leben voller Leid und Schmerz und Verlust zum Abschluss zu bringen. Dabei verleiht Jackman seiner Rolle eine Intensität, wie ich sie zuvor selten gesehen habe. Besonders in den ruhigen Szenen zusammen mit Professor X zeigt Hugh Jackman Seiten von Wolverine, die man so bisher noch nicht gesehen hat. Aber auch die Momente mit Laura sind etwas ganz besonderes im Film.

Bleiben wir gleich bei eben angesprochenem Professor Charles Xavier. Dieser wird erneut gespielt vom großartigen Sir Patrick Stewart, welcher wohl kaum eine nähere Vorstellung benötigt. Ähnlich wie bei Wolverine sieht man in diesem Film Seiten des Professors, die man nicht erwartet hätte. In den bisherigen X-Men Filmen war Professor X immer das Mastermind und die Stütze der X-Men. Ihn hier jetzt als senilen, verzweifelten, alten Mann zu sehen war zwar schauspielerisch beeindruckend, aber dennoch extrem traurig und bedrückend. Vor allem die erste Hälfte des Films lebt quasi von den gemeinsamen Momenten zwischen Wolverine und Professor X und bringt ihre Beziehung auf eine ganz neue Ebene.

Doch auch die erst 12-jährige Dafne Keen bereichert den Film. Sie spielt Laura, oder auch X-23, deren Rolle ich jetzt nicht genauer beleuchten will, da das ein geringer Spoiler für alle wäre, die den Film noch nicht gesehen haben. Es sei nur soviel gesagt, sie sorgt mit für die beeindruckendsten Szenen des Filmes.

In weiteren Rollen findet man auch noch Boyd Holbrook, Richard E. Grant und Stephen Merchant, welche jedoch neben den anderen drei ziemlich untergehen.

Das Hauptaugenmerk liegt aber auch auf eben diesen drei Charakteren und deren Beziehung zu einander.

Auch technisch ist der Film auf höchstem Niveau. Der Sound ist super, der Soundtrack extrem passend gewählt. Wenn zum Beispiel im Abspann plötzlich "The Man Comes Around" von Johnny Cash ertönt, sorgt dass bei mir auch nach dem zweiten oder dritten Mal sehen für Gänsehaut.

Auch die Kamerarbeit vom Kameramann John Mathieson, welcher dieses Jahr auch bei "King Arthur: Legend of the Sword" fabelhafte Bilder lieferte, ist spitze. Auch wenn es hier keine spektakulären Kamerafahrten oder innovative Schnitte gab, fing Mathieson die Stimmung mit seiner Kamera perfekt ein und verstärkte die Atmosphäre damit noch zusätzlich.

Nochmals kurz zur Story. James Mangold, welcher auch das Drehbuch zum Film mitverfasste, orientierte sich für den Film hauptsächlich bei der "Old Man Logan"- Comicreihe, von Mark Millar, welche als sehr brutal und intensiv gilt. Mangold schaffte es, eben diese Brutalität und Intensität auf anspruchsvolle Weise auf den Film zu übertragen und eine Story zu schaffen die einen von Anfang an ergreift und bis zum extrem bedrückenden Ende nicht mehr loslässt. Die Entwicklung, welche man bei Logan vom ersten X-Men Film bis zu diesem beobachten kann, ist beeindruckend und zugleich aber auch sehr traurig. Bei diesen ganzen positiven Aspekten verzeiht man auch gerne das ein oder andere Logikloch in der Story, welche durchaus auch vorhanden sind, wenn auch in sehr geringem Maße.

ACHTUNG! Ab hier kurzer Spoiler zum Film! weiter unten gehts ohne spoiler weiter!

Ich habe jetzt schon oft genug gesagt, wie berührend die Story war, was ich jetzt ein wenig genauer erläutern möchte.

Allein schon die ersten Momente, als Logan total verkatert auf der Rückbank seines Autos aufwacht und danach erstmal ein paar Typen, die sein Auto klauen wollen auf brutale Art und Weise tötet, zeigen in welche Richtung der Film geht.

Der erste Auftritt von Professor X, war ein weiterer solcher Moment, vor allem als einem dann bewusst wird, in welchem geistigen Zustand eben jener ist und was er in der Vergangenheit getan hat. Der Film nimmt dann schnell an Fahrt auf, als Laura auftaucht und sich herausstellt, dass sie ein Klon von Logan und damit quasi seine Tochter ist. Der Film wechselt dann zwischen brutalen, berührenden und extrem traurigen Momenten hin und her. Der Tod von Professor X war dann ein solcher trauriger Moment. Auch das Ende war wieder ein sehr berührender und beklemmender Moment, wobei es aber auch ein würdiger Abschied von Hugh Jackman als Wolverine war.

ab hier keine spoiler mehr!

Fazit:

"Logan - The Wolverine" ist der wohl erwachsendste Superheldenfilm der letzten Jahre. Seine Brutalität und beklemmende Atmosphäre, zusammen mit dem intensiven Schauspiel der beiden Hauptdarsteller, machen den Film zu einer willkommen Abwechslung zu den bunten, witzigen Superheldenfilmen des MCU.

Auch wenn die Story kleinere Logiklöcher aufweist und in der Mitte des Films auch ein paar Längen hat, war es ein grandioser Film, der zwar ziemlich bedrückend ist, aber auf seine eigene Art und Weise unterhält. Wie schon in meinem Special zu den Top 20 des Jahres gesagt, gehört "Logan - The Wolverine" zu den besten Filmen des Jahres!


Logan - The Wolverine

USA - 2017

Regie - James Mangold

Laufzeit - 137 Minuten

FSK - ab 16

Genre - Action/ Drama

Bewertungen:

  • IMDb - 8,1
  • Moviepilot - 7,6
  • Apexfilms - 9

"Sei nicht, wozu sie dich gemacht haben!"

Logan/ Hugh Jackman - Logan (2017)