mother!

Das nächste, kontroverse Werk Aronofskys!

Ihr hattet wieder die Wahl, welchen Film ich bewerten soll und eure Entscheidung fiel auf den 7. Film des etwas kontroversen Regisseur Darren Aronofsky.

Mit "mother!" schuf eben dieser sein nächstes, sehr spezielles Werk, welches letztes Jahr bei uns im Kino startete und vor ein paar Tagen auch auf DVD und Blu-Ray erschien. Mit Filmen wie "Black Swan" und "Requiem for a Dream" zeigte Aronofsky, wie gut er sehr bizarre und vielschichtige, manchmal gar verstörende Filme drehen kann, welche man oft nicht gleich begreift. Mit "mother!" versuchte er das erneut und teilweise gelang ihm das auch, obwohl der Film nicht komplett an die Qualität eines "Black Swan" anschließen kann. Dennoch kann der Film weitestgehend überzeugen und bietet einige beeindruckende und zugleich skurrile Momente.

Aber erstmals zum Regisseur: Wie bereits erwähnt, führte der Amerikaner Darren Aronofsky Regie, welcher neben den bereits genannten "Black Swan" und "Requiem for a Dream" auch die Filme "Pi", "The Fountain", "Noah" und "The Wrestler" inszenierte. Letzterer gehört für mich auch zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Wie schon bei einigen seiner Filme zuvor, schrieb Aronofsky auch das Drehbuch zu "mother!" selbst und leitete auch die Produktion. Seine Filme sind oftmals geprägt vom Spiel mit der Realität und der Wahrnehmung seiner Protagonisten, was seine Werke meist zu einem sehr speziellen Erlebnis machen. Auch "mother!" reiht sich in die Riege seiner sehr speziellen Filme ein, welche nur schwer komplett zu begreifen sind.

Zur Story: Ein namenloses Ehepaar lebt ein abgeschiedenes und zurückgezogenes Leben und scheint ganz und gar glücklich zu sein. Jedoch merkt man schon anfangs, dass das Glück nicht ungetrübt ist und auch die Erfolglosigkeit des Mannes als Autor scheint das seine dazu beizutragen. Als dann eines Abends ein alter Mann vor der Haustür erscheint und vom Ehemann eingeladen wird zu bleiben, dem kurz darauf auch dessen Frau folgt, gerät dass Glück immer weiter ins wanken, bis sich die Ereignisse auf äußerst spezielle Art und Weise überschlagen. Dabei bietet der Film viele kleine Twists und Wendungen und schafft es immer wieder neue, vollkommen abstruse Fragen aufzuwerfen, bevor überhaupt welche beantwortet werden. Dabei fühlt sich der Film immer mehr wie ein wahr gewordener Albtraum einer jungen Ehefrau an und Aronofsky spielt, wie schon in "Black Swan", mit der Wahrnehmung der Protagonistin, wodurch man oftmals nicht mehr zwischen Realität und Illusion unterscheiden kann. Jedoch wird eben dieses Spiel an manchen Stellen zu übertrieben, wodurch einige Szenen sehr abstrus wirken. Das Ende kam dann sehr abrupt und hinterlässt einen mit unzähligen offenen Fragen, welche sich wohl erst nach dem 3-4 mal Sehen klären, falls sie das überhaupt tun.

Dabei bietet die Story übermäßig Platz für Theorien und jeder wird wohl eine andere Bedeutung daraus erkennen. Meine Interpretation könnt ihr am Ende der Review lesen, dort allerdings mit Spoiler!

Die beiden Hauptrollen übernahmen Jennifer Lawrence und Javier Bardem. Erstere macht ihren Job überaus gut und kann den kompletten Film überzeugen, auch wenn das Verhalten ihrer Rolle nicht immer nachvollziehbar war.

Jedoch stand sie auch komplett im Schatten ihres Film-Partners. Denn Javier Bardem, vor allem bekannt aus "No Country for Old Man", packt wieder sein enormes Talent aus und zeigt wieder einmal, wieso er zurecht zu den besten Schauspielern unserer Zeit gehört. Er verleiht seiner Rolle eine unglaubliche Vielschichtigkeit und lässt alle anderen Darsteller ziemlich blass aussehen.

Dabei sind auch die Nebenrollen sehr gut besetzt. Sowohl Ed Harris als auch Michelle Pfeiffer liefern eine tadellose Performance ab, stehen jedoch ähnlich wie Jennifer Lawrence im Schatten des überragenden Javier Bardem.

In weiteren Nebenrollen findet man die beiden Brüder Domhnall und Brian Gleeson, deren Rolle zwar verhältnismäßig klein war, dennoch von großer Bedeutung für den Film ist.

Inszenatorisch gibt es am Film nicht viel auszusetzen. Die Dramaturgie des Filmes war sehr gut und packte einen von Anfang an. Zwar war der Beginn etwas langsam, jedoch erhöht sich das Tempo quasi von Szene zu Szene, bis sich die Ereignisse zum Finale hin quasi überschlagen. Auch die Kameraarbeit war sehr gut, lieferte beeindruckende Bilder und verstärkte die Atmosphäre, jedoch gab es an einigen Stellen eine etwas wacklige Kameraführung, welche vermutlich so gewollt war, mir aber an manchen Stellen unangenehm auffiel. Der Sound blieb meistens eher als Begleitung der Ereignisse im Hintergrund und drängte sich nur selten in den Vordergrund, was aber bei diesem Film durchaus sehr gut war, da man sich hauptsächlich auf die Geschehnisse und Bilder konzentrieren konnte, ohne von epischen Klängen abgelenkt zu werden.

Fazit:

Bei einem Film wie "mother!" ist es sehr schwer eine Kritik zu schreiben, ohne die Handlung zu viel zu spoilern und tatsächlich fiel es mir nicht leicht eine Review zu diesem Film zu schreiben, da er vermutlich von jeder Person anders verstanden wird. Wie schon gesagt, lässt die Handlung immensen Spielraum für Interpretationen und der Film lädt dazu ein, öfters gesehen zu werden. Auch hier gilt wieder, man sollte sich den Film möglichst unvorbereitet ansehen und bereit sein sich darauf einzulassen, ein Werk zu sehen, welches einiges an Konzentration verlangt. Fans von Aronofsky und mysteriösen, bedeutungsvollen Dramen werden aber sicherlich ihren Spaß an dem Film haben!


mother!

US - 2017

Regie - Darren Aronofsky

Laufzeit - 115 Minuten

FSK - ab 16

Genre - Mystery/ Drama

Bewertungen:

  • IMDb - 6,8
  • Moviepilot - 6,5
  • Apexfilms - 7

"Ich bin sein Vater!" "Und ich seine MUTTER!"

Er und Sie/ Javier Bardem und Jennifer Lawrence - mother! (2017




Meine Interpretation der Handlung!

ACHTUNG! Ab hier spoiler!

Ich möchte jetzt noch kurz etwas näher auf die Handlung eingehen und diese erklären, zumindest wie sie sich für mich präsentiert hat. Alle die den Film noch nicht gesehen haben und ihn ungespoilert anschauen wollen (was ich absolut empfehlen würde), sollten hier nicht weiter lesen. Schaut euch den Film an und kommt nachher wieder vorbei. Alle anderen können nun lesen, wie ich den Film verstanden habe.

Nachdem ich den Film gesehen habe, lies er mich nicht mehr los und ich musste mich noch etwas genauer mit der Handlung befassen. Bei meiner Recherche im Internet, stieß mir eine Interpretation ins Auge, welche auch vom Regisseur selbst mehr oder weniger bestätigt wurde und die im Nachhinein als absolut logisch wirkt und einige Fragen beantwortet.

Anfangs hatte ich das Gefühl, die Zerstörung des Hauses und die Überflutung mit Gästen, wäre eine Metapher für die Unzufriedenheit der Ehefrau und ihr Gefühl nichts wichtiges vollbringen zu können, was auch die Tatsache, dass sie bisher keine Kinder bekommen hat meiner Meinung nach bestärkte.

Jedoch fand ich dann im Internet die folgende Theorie, welche alles zu erklären schien:

Der Film ist eine einzige Bibelallegorie, welcher die Schöpfungsgeschichte der Erde wiederspiegelt. Dabei übernimmt Javier Bardem die Rolle von Gott und anfangs sieht man im Zeitraffer wie das Haus stellvertretend für die Erde aufgebaut wird. Anschließend erwacht Jennifer Lawrence, welche die Mutter im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert. Ihre Rolle ist nämlich die Mutter allen Lebens: die Erde. Gott und die Erde leben friedlich aber unerfüllt, bis der erste Mensch erscheint, Ed Harris, dessen Figur quasi eine Interpretation Adams ist und Michelle Pfeiffer repräsentiert Eva. Nachdem die Söhne der beiden auftauchen und der eine den anderen erschlägt, hätte es mir eigentlich schon klar sein müssen. Und auch als "Eva" den Kristall, der für "Gott" eines der wichtigsten Besitztümer ist, zerstört, war die Metapher für den Apfel perfekt. Adam und Eva werden dann aus dem Haus, welches von der Mutter anfangs sogar als ihr Paradies bezeichnet wird, vertrieben und das Ehepaar kann ein glückliches Leben führen. Die Mutter wird sogar schwanger, doch plötzlich strömen immer mehr Menschen ins Paradies, wodurch das Haus stellvertretend für die ganze Erde, zerstört wird. Besonders bizarr ist die Szene, als die Menschenmassen das Neugeborene der Mutter unbeabsichtigt töten und anschließend verspeisen, im Nachhinein eine eindeutige Metapher für das Ausschlachten der Erde durch den Menschen. Erst als die Mutter unzählige Menschen getötet hat, greift "Gott" ein und zerstört das komplette Haus. Man kann darin durchaus die Sintflut erkennen, denn anschließend nimmt "Gott" das Herz der Mutter, welches sich wieder in den Kristall verwandelt und die Geschichte beginnt von vorne!

Aber was sagt ihr dazu? Habe ich mir da irgendetwas zusammen gesponnen? Wie habt ihr den Film verstanden und was glaubt ihr darin gesehen zu haben? Schreibt mir gerne eine Nachricht über mein Kontaktformular!