Gestern Abend war es endlich soweit: Ich konnte mir Star Wars Episode 8 - Die letzten Jedi im Kino anschauen. Doch leider war ich nicht so begeistert, wie ich es mir erwartet hätte.
Versteht mich nicht falsch, der Film ist grandios und von der ersten bis zur letzten Minute großartig, jedoch waren meine Erwartungen so extrem hoch, dass ich fast nur enttäuscht werden konnte. Daher liegt das Problem nicht beim Film, sondern lediglich an meiner Erwartungshaltung.
Das ist wohl das Problem unserer heutigen Zeit: Schon bevor der Film überhaupt startet wird man überflutet mit Kritiken und Meinungen und wenn man in solchen auch noch hört, es handle sich um den besten Star Wars aller Zeiten, erwartetet man natürlich einen Film der alles bisher dagewesen in den Schatten stellt.
Ein weiteres modernes Problem sind die Fantheorien. Schon Jahre vorher erscheinen fast täglich neue News, Theorien und angebliche Leaks zu kommenden Filmen, besonders wenn es sich um große Franchises wie eben Star Wars handelt. Daher stellt man sich schon fast unausweichlich eigene Theorien zusammen, freundet sich mit anderen Möglichkeiten an, bis man gewisse Dinge als schon fast bestätigt ansieht. Wenn dann die Handlung an manchen Punkten anders aufgelöst wird, als man es sich erwartet oder sich in seiner eigenen Theorie zusammengebastelt hat, kann man schon mal enttäuscht werden.
Das klingt jetzt alles erstmal sehr negativ und als ob ich Star Wars 8 schlecht fand. Dies ist aber ganz und gar nicht der Fall. Es gibt nur ein paar Sachen die ich etwas enttäuschend fand.
Aber jetzt erstmal zum Film im Allgemeinen. Mit einer Laufzeit von 153 Minuten ist es der bis Dato längste Star Wars Film und ich muss leider sagen, an manchen Stellen zog er sich ein wenig. Ein paar Szenen hätte man ruhig kürzen oder weglassen können.
Regie führte der US-Amerikaner Rian Johnson, der zuvor schon bei drei Folgen von Breaking Bad Regie führte und mit Looper einen kleinen Überraschungserfolg feierte. Desweiteren wird Johnson auch für die nächste, bereits angekündigten Star Wars Trilogie verantwortlich sein. Er drückt mit Episode 8 dem Star Wars Franchise seinen eigenen Stempel auf, was ich erstmal gar nicht schlecht finde. Denn wo viele bei Episode 7 einfach eine Kopie von "Eine neue Hoffnung" sahen, ist "Die letzten Jedi" eines ganz und gar nicht: Etwas was es im Star Wars Universum schonmal gab. Zum Glück fühlt es sich jedoch immer noch die ganze Zeit über wie Star Wars an, auch wenn man einiges so noch nie im Sternenkrieg gesehen hat. Es gibt zwar immer noch ein paar kleine Anspielungen und Easter Eggs zu den alten Filmen (ich zitiere mal Luke: "Ich hatte wie üblich ein ganz mieses Gefühl" :-) ) jedoch hielten sie sich hier in Grenzen. Wo J.J. Abrams bei Episode 7 noch sehr viel Fanservice bietet und auf die Wünsche der Fans im Internet einging, kam es mir hier an manchen Stellen sogar so vor, als spiele Johnson bewusst mit den Erwartungen der Hardcore-Star Wars Fans, nur um dann zu sagen: "Nichts da, wir machen das ganz anders!". Ich will Johnson hier natürlich nichts unterstellen, aber manchmal hatte ich genau dieses Gefühl. Ein weitere kleiner Kritikpunkt meinerseits ist der Humor. Selbstverständlich gehören witzige Szenen und kleinere Slapstickeinlagen zu Star Wars dazu, doch in diesem Film gab es einiges zuviel davon. So manch eigentlich epische Szene wurde unpassenderweise von einem Witz oder lustigen Spruch aufgelockert.
Nun aber zu den wirklich positiven Aspekten des Films. Erstmal der wunderbare Cast. Die Schauspieler leisten wiedermal fantastische Arbeit, allen voran die neue Generation der Star Wars Helden. Daisy Ridley als Rey liefert eine grandiose Performance ab, besonders die Szenen zwischen ihr und Kylo Ren sind ganz großes Kino. Auch eben angesprochener Kylo Ren, gespielt von Adam Driver, blüht in seiner Rolle auf und nachdem ich in Episode 7 ein wenig von Kylo Ren enttäuscht wurde, holte er dies hier grandios auf. John Boyega/ Finn geht da neben seinen Kollegen fast schon ein wenig unter, auch wenn seine Leistung sehr gut war. Mehr als gut war auch wieder Oscar Isaac als Poe Dameron, der wiedereinmal zeigte, welch großartiger Schauspieler er ist. Zum Kreis der neuen Generation gesellt sich in diesem Film auch Kelly Marie Tran, die eine doch überraschend wichtige Rolle einnahm.
Andy Serkis als Snoke zeigt auch erneut, dass er der Beste ist, was Motion Capture betrifft. Der Auftritt von Benicio del Toro war zwar nicht schlecht, aber im großen und ganzen ein wenig enttäuschend.
Über allen anderen steht jedoch Mark Hamill, der seine Paraderolle einfach grandios spielte. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, das war die beste Performance von Hamill als Luke Skywalker, die ich bisher gesehen habe. Seine innere Zerissenheit wurde mit solch Intensität gespielt, dass man richtig mit Skywalker mitlitt.
Einige sehr traurige Szenen lieferte uns Carrie Fisher als Leia. Nicht weil die Szenen ansich traurig waren, nur war ständig das Wissen präsent, dass das der wohl letzte Auftritt von Fisher in der Rolle war, mit der sie berühmt wurde. Man muss Johnson auch zugute halten, dass er die Szenen mit Carrie gut inszenierte und auch den Abschied mit dem nötigen Respekt drehte.
Neben dem Cast, gibt es einen weiteren sehr positiven Aspekt im Film: die Effekte. Es war eine gute Mischung aus praktischen und computergenerierten Effekten. Es gab gefühlt mehr Weltraumschlachten als in allen anderen Star Wars Filmen und diese sehen auch einfach großartig aus. Auch die neuen Planeten liefern eine super Atmosphäre und entführen Star Wars typisch in fremde Welten. Die Schlacht auf dem Kalkplaneten Crait, welche man auch im Trailer sieht, wurde super inszeniert und ist visuell ein ganz großer Moment. Dazu zählt auch die Arbeit des Kameramanns Steve Yedlin, welcher auch schon bei Looper mit Johnson zusammen arbeitete.
Fazit:
Star Wars Episode 8 - Die letzten Jedi ist ein weiterer großer Star Wars Film, der einzig und allein an meinen immens großen Erwartungen scheiterte. Alle Star Wars Fans werden den Film lieben, auch wenn sie damit rechnen müssen, dass mit einigen Star Wars typischen Konventionen gebrochen wird.
Wer sich den Film anschauen will, sollte nicht zuviel auf andere Kritiken und Meinungen eingehen, versuchen vollkommen unbefangen in den Film zu gehen und sich seine eigene Meinung bilden. Dann werdet ihr ganz sicher euren Spaß mit dem Film haben!
Für alle die den Film schon gesehen haben, gibt es weiter unten jetzt noch einen kleinen Part, der auch Spoiler enthält.
Star Wars Episode 8 - Die letzten Jedi
US - 2017
Regie - Rian Johnson
Laufzeit - 153 min
FSK - ab 12
Genre - Science Fiction/ Fantasy
Bewertungen:
"Ich kenne nur eine Wahrheit: Die Zeit der Jedi ist vorbei"
Luke Skywalker/ Mark Hammil - Star Wars 8 (2017)
Für alle, die den Film schon gesehen habe, gehe ich jetzt noch ein wenig auf die Handlung ein. Für alle anderen, hier nochmal die letzte Warnung: ab hier gibts massive Spoiler zur Handlung von Star Wars Episode 8! Wer sich den Film unvorbereitet anschauen will, sollte jetzt lieber nicht weiter lesen, für alle anderen: Viel Spaß!
Die ersten Augenblicke des Films sind einfach fantastisch. Als der Schriftzug "Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis", gefolgt von der epischen Musik und dem gelben Lauftext erschien, hatte ich schon Gänsehaut pur.
Leider gab es aber auch in der Handlung einige Augenblicke die mich etwas enttäuscht zurückliesen. Wie ich oben geschrieben habe, hatte ich manchmal das Gefühl, das Rian Johnson die Zuschauer und besonders die Star Wars Fans trollen wollte.
Da hätten wir zum Beispiel der Tod Snokes. Die meiste Zeit des Films wurde der Oberste Anführer der Ersten Ordnung als extreme Bedrohung und mächtiges Wesen dargestellt. Man hatte das Gefühl man sieht hier das nächste große Mastermind, wie es der Imperator gewesen ist. Er hat auch einige bedrohliche Momente, in denen er seine Macht präsentieren kann, doch dann kommt plötzlich auch schon sein Ende und hinterlässt irgendwie ein unbefriedigendes Gefühl. Sein Tod ansich ist großartig inszeniert, die Dramaturgie und Intensität zuvor und auch der Kampf danach von Rey & Kylo Seite an Seite waren verdammt episch, dennoch hinterlässt der Tod Snokes riesige Löcher. Die letzten zwei Jahre nach Erscheinen von "Das Erwachen der Macht" und dem ersten Auftritt Snokes', wimmelte es nur so von Spekulationen und Theorien, wer jetzt Snoke ist. Jeder hatte seine eigene Meinung und Hypothese und hoffte, dass in diesem Film zumindest ein paar weitere Hinweise auf seine Identität kommen würden. Doch dann wurde diese Figur gefühlt zur Hälfte des Films einfach so aus diesem entfernt, ohne irgendetwas über seine Herkunft oder Vergangenheit zu erklären. Wieso zum Beispiel konnte Snoke die Macht nutzen? War er ein Sith? Oder doch ein Jedi? Oder vielleicht ein ganz anderes Wesen? Ich hoffe ja noch, dass man im nächsten Teil ein paar Antworten zu eben diesen Fragen bekommt.
Eine weitere riesige Enttäuschung für mich folgte dann auch kurz darauf, bei der ich irgendwie das Gefühl hatte, Rian Johnson wolle die Hardcore-Fans, entschuldigt die Ausdrucksweise, verarschen. Rey und Kylo Ren stehen sich wiedereinmal gegenüber, dieses Mal sogar direkt von Angesicht zu Angesicht und beide versuchen den jeweils anderen zu ihrer Seite zu bekehren. Kylo spricht dann plötzlich über Reys Eltern und meint er kenne die Wahrheit. Es gab schon vorher Szenen, wo mit der Frage über Reys Eltern gespielt wurde, zum Beispiel die Spiegelszene in der Höhle und man hoffte, jetzt endlich das zweite große Geheimnis, das Episode 7 aufwarf zu lüften.
Und das wurde es auch: Reys Eltern sind nämlich.... niemand! Besser gesagt niemand besonderes, nur zwei Schrotthändler vom Planeten Jakku, die Rey verkauft haben um Alkohol zu bekommen. BAMM! Das ist das große Geheimniss! Neben Snokes Identität war eben das, das zweite große Rätsel, das nach Episode 7 heiß diskutiert wurde. Sämtliche Theorien die über Reys Eltern aufgestellt wurden, sei es nun Luke Skywalker, Han Solo und Leia, Obi Wan Kenobi oder selbst Iden Versio, Protagonistin aus Star Wars Battlefront 2,.... alles wäre für mich besser gewesen als diese Lösung. Ihr müsst euch das mal vorstellen: Als der Dialog zwischen Kylo und Rey begann und es auf deren Eltern zusprechen kam, beugte ich mich in meinem Sessel immer weiter vor und die Spannung stieg in mir. Als dann die Aufklärung kam, saß ich mit offenen Mund da und fiel ungläubig in meinen Sessel zurück. Ich konnte es einfach nicht glauben, irgendwie wirkte diese ganze Szenerie, wie eine Parodie des Dialogs zwischen Darth Vader und Luke Skywalker aus Episode 5, in der Vader Luke die Wahrheit über dessen Vater erzählt. Ich habe zwar noch einen Funken Hoffnung, dass sich im nächsten Teil herausstellt, dass Kylo nur gelogen hat um Rey zu beeinflussen und doch irgendwer wichtiges Reys Eltern sind. Aber wirklich glauben, tu ich daran nicht.
Auch ein wenig enttäuscht war ich von den Szenen auf Cantor Bight. Diese waren mir einfach zu lang und stellenweise unpassend.
Auf Cantor Bight lernten wir auch die Figur DJ kennen, die der großartige Benicio del Toro spielt. Jedoch wurde sein Potential hier ein wenig verschenkt und ich konnte mich bis zum Ende nicht recht mit der Figur anfreunden, auch wenn sie wieder dieses Schema ansprach, das weite Teile des Films beherrschte: Es gibt kein schwarz und weiß, kein reines Böses oder Gutes, ein Aspekt, der ansonsten Star Wars von jeher prägte.
Das Spiel damit, was Gut und Böse eigentlich ist, prägte auch das Schauspiel von Mark Hamill. Seine Performance, als Luke Skywalker, der sich von der Macht abgewandt hat und ein Eremitenleben führt, war einfach nur grandios und meiner Meinung nach oscarreif. Eine wirklich positive Überraschung, war der zwar relativ kurze, aber einfach unheimlich epische Moment, zwischen Luke und dem als Machtgeist zurückkehrenden Yoda. Das war einfach perfekt und verursachte bei mir Gänsehaut. Lukes Tod hinterließ mich hingegen irgendwie zwiegespalten. Einerseits fand ich es unglaublich schade, dass so eine super Figur, die in diesem Film so aufblühte und auch andere Facetten von sich zeigte, jetzt nicht mehr dabei sein soll. Andererseits ist Lukes Tod beziehungsweise sein Eins werden mit der Macht, genial inszeniert und ganz großes Kino. Aber vielleicht taucht Mark Hamill ja in Episode 9 als Machtgeist wieder auf.
Außerdem bin ich gespannt, wie es mit der Rolle von Leia Organa weiter geht. Es gab ja Gerüchte, dass man den Film noch änderte, um ihr ein heldenhaftes Ende zu schenken, davon ist im Film allerdings nichts zu sehen. Sie überlebt den Film und flieht zusammen mit dem Rest des Widerstands.
Weitere Fragen die nach dem Ende des Films offen bleiben:
So, das war jetzt meine komplette Meinung zu Star Wars Episode 8. Besonders der Teil über die Handlung ist jetzt kritischer geworden, als eigentlich gewollt, denn auch wenn ich hier jetzt einiges schlecht geredet habe, ist es dennoch ein grandioser Film, der einzig und allein, wie oben schon geschrieben, an meinen zu großen Erwartungen scheiterte.
Bis dahin: Möge die Macht mit euch sein!
