Dunkirk

Nolans nächster Geniestreich!?

Dunkirk ist der neueste und damit 10 Langfilm von Regisseur Christopher Nolan, dem ich schon ein ausführliches Special gewidmet habe.

Er erschien im Sommer 2017 in den deutschen und österreichischen Kinos und ist momentan auf Platz 12 der erfolgreichsten Filme dieses Jahres. Ich muss jedoch sagen, ich finde Dunkirk ist einer von Nolans schwächeren Filmen, was jedoch immer noch bedeutet, dass der Film mindestens sehr gut ist.

Es ist Nolans erster Kriegsfilm, wodurch er sein sowieso schon weites Spektrum an Filmen, um ein weiteres Genre erweitert.

Erstmal zur Handlung: In "Dunkirk" widmet sich Christopher Nolan den Ereignissen zwischen dem 26. Mai und 4. Juni 1940 und der dort stattfindenden "Operation Dynamo", der bis dahin größten militärischen Rettungsaktion. Im Frühjahr 1940 wurden nämlich englische und französische Streitkräfte in der französischen Küstenstadt Dünkirchen eingekesselt und belagert, ohne Aussicht auf Rettung. Die britische Royal Navy startete dennoch eine Rettungsaktion und konnte einen Großteil der belagerten Truppen, nämlich fast 340.000 Soldaten, retten und in Sicherheit bringen. Und genau diesen Ereignissen widmet Nolan seinen Film. Dabei bleibt er seinem Stil treu und schafft es wieder eine neue spezielle Art und Weise zu erschaffen, die Geschichte zu erzählen.

Denn in "Dunkirk" verfolgt man mehrere Handlungsstränge, die zwar parallel laufen und ineinander verwoben sind, jedoch nicht zeitgleich verlaufen. Klingt ziemlich kompliziert, funktioniert aber überraschend gut. Das Spiel mit der Zeit ist typische für Nolan-Filme und eben das versteht dieser auch wie kein anderer.

Das trägt auch dazu bei, dass "Dunkirk" zwar ein 2. Weltkriegsfilm ist, der viele Aspekte zeigt, die man schon in unzähligen anderen Filmen gesehen hat, dennoch sich sehr von typischen Genrefilmen unterscheidet und eben nicht so wie andere Filme ist, die den 2. Weltkrieg zum Thema haben.

Eine weitere Besonderheit des Films ist außerdem, dass es keine richtige Hauptfigur gibt. Jeder Handlungsstrang setzt eine andere Figur in den Fokus, was bei mir jedoch dazu führte, dass ich zu keiner Figur wirklich eine emotionale Bindung aufbauen konnte. Dennoch sind die Figuren allesamt sehr gut gezeichnet und allein schon der Cast macht den Film mehr als sehenswert.

Wenn man eine Figur als Hauptcharakter bezeichnen will, wäre das am ehesten noch Tommy gespielt von Fionn Whitehead. Besonders daran ist, dass "Dunkirk" sein aller erster Film überhaupt. Nichts desto trotz bewältigt er seine Aufgabe bravurös und steht seinen etablierten Kollegen in nichts nach.

In einem anderen Handlungsstrang steht ein Kampfpilot im Mittelpunkt, gespielt von Tom Hardy. Dieser zeigt erneut, welch großartiger Schauspieler er ist und wie viel Emotionen und Ausdruck er allein mit seinen Augen übermitteln kann. Den die meiste Zeit des Films sieht man nur die. Wenn er im Flugzeug sitzt und seine Maske trägt, bleibt ihm nur der Bereich zwischen Nase und Stirn um die Zuschauer zu beeindrucken. Und das schafft Tom Hardy wie kein Zweiter. Hier sei auch der Cameo-Auftritt von Michael Cain erwähnt, der die Stimme im Funk ist und damit im siebten Nolan-Film in Folge einen, wenn auch sehr kleinen, Auftritt hat.

Auch Mark Rylance ist wieder ausgezeichnet und beweist wieder einmal, dass er den Oscar in "Bridge of Spies" nicht zu unrecht erhalten hat. Denn er zeigt erneut ein nahezu perfektes Schauspiel und seine Rolle fügt sich einfach perfekt in den ganzen Film ein.

Außerdem hat in Rylance' Handlungsstrang ein weiterer guter Nebendarsteller einen Auftritt. Nämlich Cilian Murphy, der nach der Dark Knight Trilogie erneut mit Nolan zusammen arbeitet. Dessen Rolle ist zwar vergleichsweise klein, blieb mir dafür umso mehr im Gedächtnis.

Einen Schauspieler habe ich bisher noch nicht erwähnt und bewusst als letztes im Cast aufgezählt, denn seine Leistung stellt alle anderen in den Schatten und zeigt einmal mehr, welch großartiger Charakterdarsteller, dieser Schauspieler ist. Die Rede ist natürlich von Kenneth Branagh, welchen ich zuvor vor allem als Gilderoy Lockhart aus "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" kannte. Branagh, der durch seine Shakespear-Verfilmungen bekannt wurde, schafft es mit seiner Mimik allein die Größe der Geschichte zu vermitteln. Denn hier sei auch erwähnt, dass es in dem Film sehr wenig Dialoge oder generell gesprochene Worte gibt. Bei einer Laufzeit von 107 Minuten, gibt es nur gefühlte 15 Minuten Dialoge. Den Rest der Zeit arbeitet der Film mit epischen Bildern und grandioser Musik.

Bleiben wir gleich bei den Bildern und der Kameraarbeit. Diese wurde geleitet vom Niederländer Hoyte van Hoytema, der schon bei Filmen wie "The Fighter", "Dame, König, As, Spion", "James Bond: Spectre" oder auch bei Nolans Meisterwerk "Interstellar" hinter der Kamera stand. Auch bei "Dunkirk" erschafft Hoytema großartige Bilder, die zwar beeindruckend sind, gleichzeitig, die immense Bedrohung übermitteln, die in diesen Tagen allgegenwärtig war. Allein schon die Luftkampfszenen, gehören zu den Besten ihrer Art.

Untermalt werden diese Bilder mit der Musik von Hans Zimmer. Dieser ist ein Garant für epische Filmmusik und gehört zu den Besten seiner Branche. Zu seinen bisherigen Werken zählen unter anderem "Fluch der Karibik", "Gadiator", "The Da Vinci Code" und auch die Nolan-Filme "The Dark Knight", "Inception" und "Interstellar". Doch anders als bei diesen Filmen, dräng sich Zimmers Soundtrack hier nicht in den Vordergrund, sondern unterstreich die gezeigten Bilder vielmehr. Er verstärkt die Atmosphäre und die Intensität des Szenario, ohne dabei die volle Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Typisch für Nolan ist "Dunkirk" alles in allem technisch top und es gibt an der Umsetzung nichts zu bemängeln.

Fazit:

"Dunkirk" ist ein weiterer großer Film, entsprungen aus Nolans genialem Verstand. Seine besondere Inszenierung und Erzählweise machen ihn zu etwas besonderen und unterscheiden ihn von Filmen wie "Der Soldat James Ryan", "Flags of our Fathers" oder "Pearl Harbor". Jedoch fehlt ihm der eindeutige Protagonist, wodurch ich keine wirkliche Empathie zu irgendeiner Figur aufbauen konnte. Außerdem war der Film an manchen Stellen etwas zäh.

Nichts desto trotz ist "Dunkirk" ein weiterer großartiger Film, der sich in die beinahe makellose Filmografie von Christopher Nolan einreiht.


Dunkirk

US/GB/FR - 2017

Regie - Christopher Nolan

Dauer - 106 Minuten

FSK - ab 12

Genre - Kriegsfilm/ Drama

Bewertungen:

  • IMDb - 8,2
  • Moviepilot - 7,6
  • Apexfilms - 8

"Die Heimat zu sehen, hilft uns nicht dorthin zu gelangen"

Commander Bolton/ Kenneth Branagh - Dunkirk (2017)